Die Fachwelt ist sich einig: das teuerste Medikament ist jenes, welches aus Gründen mangelnder Akzeptanz beim Patienten gar nicht oder unkorrekt angewendet wird. Die Folgekosten einer abgebrochenen Therapie übersteigen bei weitem die Einsparungen, welche durch Verschreibung eines Wirkstoffes oder Abgabe eines Generikums erzielt werden könnten. In der Verbesserung der "Compliance" - der Therapietreue - und damit der Qualitätssicherung liegt wirkliches Potenzial. Qualitätszirkel in dieser Richtung gibt es vereinzelt auch in der Schweiz, weitere Projekte wären durchaus wünschbar. Qualitätszirkel eignen sich in erster Linie bei Indikationen, bei denen die Therapietreue ein echtes Problem darstellt und kostenmässig signifikant von Bedeutung ist. Zu diesen Indikationen gehören namentlich Herz-Kreislauf Probleme, Diabetes, Asthma oder Osteoporose. In diesen Konzepten spielt der informierte Patient eine zentrale, aktive Rolle.
Wirkung darf man sich auch versprechen von der konsequenten Umsetzung des neuen Heilmittelgesetzes, wo wonach betriebswirtschaftlich gerechtfertigte und handelsübliche Rabatte gewährt werden dürfen - und an den Zahler weitergegeben werden müssen.
Gemäss Umfragen sind die Schweizer Stimmberechtigten nicht bereit, Abstriche beim Zugang zu neuen Medikamenten und Behandlungen hinzunehmen. Sie sind jedoch durchaus bereit, mehr Selbstverantwortung zu übernehmen bei der Behandlung von Bagatellerkrankungen. Laut dem GfS-Gesundheitsmonitor und der Polynomics-Studie spricht sich eine Mehrheit dafür aus, die Kosten für Medikamente gegen Bagatellerkrankungen und leichte Befindlichkeitsstörungen selber zu tragen. Es ist deshalb eine durchaus prüfenswerte Idee, solche Medikamente aus der Erstattungspflicht (Spezialitätenliste) herauszunehmen.