Im Jahr 2008 sind die Kosten, die über die obligatorische Krankenpflegeversicherung (OKP) abgerechnet werden, pro versicherte Person um 3,9 Prozent gestiegen. Am meisten zugelegt haben laut Bundesamt für Gesundheit (BAG) die ambulanten Spitalbehandlungen mit 10,4 Prozent und die Laboratorien mit 8,5 Prozent. Die Ausgaben für Medikamente, die über die Ärzteschaft abgegeben werden, verzeichnen mit 5,0 Prozent einen höheren Anstieg als die Kosten für Medikamente, die in Apotheken bezogen werden und 3,6 Prozent zugenommen haben. 2007 betrugen die Ausgaben für das Gesundheitswesen gemäss Bundesamt für Statistik (BfS) rund 55,3 Milliarden Franken. Nachdem sich das Wachstum in den vorangegangenen drei Jahren abgeschwächt hat, ist es damit um 4,9 Prozent gewachsen. Der Anteil der Gesundheitsausgaben am Bruttoinlandprodukt betrug 2007 wie im Vorjahr 10,8 Prozent. Dass der Index für Medikamentenpreise 2007 deutlich tiefer lag, ist auf die verstärkte Preisüberprüfung von Medikamenten, die bereits in die Spezialitätenliste aufgenommen worden sind und auf Änderungen der Aufnahmekriterien bei Generika zurückzuführen.
Die Kostenentwicklung im Gesundheitswesen ist neben der alternden Bevölkerung und der Zunahme chronischer Krankheiten eine der grossen Herausforderungen der Zukunft. Der Legislaturfinanzplan des Bundes sagt voraus, dass die Ausgaben für das Gesundheitswesen bis im Jahr 2050 auf 15,5 Prozent des Bruttosozialprodukts (BIP) zunehmen werden. Der prognostizierte Kostenanstieg im Gesundheitswesen fiele noch um 1 Prozent stärker aus, wenn die Bevölkerung die steigende Lebenserwartung statt in einem guten, in einem schlechten Gesundheitszustand verbringen würde (siehe Legislaturfinanzplan und Botschaft in der Infobox). In der Schweiz ist jedoch in den vergangenen Jahrzehnten eine Zunahme krankheitsfreier Lebensjahre zu beobachten. Dies zeigen die Zahlen zur Health Adjusted Life Expectancy HALE. Um diese Entwicklung zu stützen, sind Investitionen in die Gesundheit und in die Wohlfahrt unseres Landes nötig. Die Produktivität einer Gesellschaft hängt nicht zuletzt von der physischen und psychischen Gesundheit der Arbeitnehmerinnen- und Arbeitnehmer ab.
Zurzeit dreht sich die politische Diskussion hauptsächlich um die steigende Entwicklung der Gesundheitskosten. Die US-Ökonomin Elizabeth Teisberg kommt in ihrer neusten Studie zum Schweizer Gesundheitssystem jedoch zum Schluss, dass dieser Fokus fehlgeleitet ist. Gemäss Teisberg blähen Gesundheitsreformen, die sich vorab auf die Kostenreduktion konzentrieren, die Kosten gar noch mehr auf. Deshalb müsse sich die Versorgung auf vermehrt die Verbesserung des Patientennutzens und die Qualität konzentrieren, so Teisberg. Diese Qualitätsorientierung würde sich auf finanziell lohnen.
Weiter zu Qualitätsorientierung