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Geringer Nutzen, hoher Schaden

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Eine Studie der «London School of Economics» analysierte die Auswirkungen des grenzüberschreitenden Handels mit verschreibungspflichtigen Markenarzneimitteln innerhalb der Europäischen Union. Untersucht wurden sechs Produktkategorien, die 21 Prozent des Einzelhandelsvolumens von Markenarzneimitteln in den sechs untersuchten EU-Ländern Dänemark, Deutschland, Grossbritannien, Niederlande, Norwegen und Schweden ausmachen. Die Analyse hat ergeben, dass die Beteiligten im Gesundheitswesen nur einen geringen Teil der erwarteten Einsparungen erzielen, während die Parallelhändler die Hauptnutzniesser des Parallelhandels sind. Der Preisaufschlag des Parallelimporteurs ist beachtlich und liegt in sechs untersuchten EU-Staaten zwischen 44 und 60 Prozent, wobei der Profit für die Parallelimporteure in diesen Staaten für die 19 untersuchten Produkte zusammengerechnet bei 704 Millionen Euro liegt. Die Einsparungen für das Gesundheitssystem liegen hingegen bei nur 44 Millionen Euro. Im Verhältnis zum Gesamtmarkt entsprechen diese Einsparungen im Durchschnitt der sechs untersuchten Länder 0,8 Prozent.

Die Studie findet auch kaum Belege für einen Preiswettbewerb oder eine Preiskonvergenz zwischen lokal bezogenen und parallel importierten Produkten im Zeitraum von 1997 bis 2002 in den sechs untersuchten Ländern. Deshalb wird die Hypothese verworfen, dass der Arzneimittel-Parallelhandel in den Bestimmungsländern (Importländern) langfristig den Preiswettbewerb stimuliert und die Preise nach unten treibt.

Ein grosses Problem stellt zudem die Arzneimittelsicherheit dar. Die parallel importierten Wirkstoffe und Medikamente haben, bis sie den Endverbraucher erreichen, oft eine wahre Odyssee hinter sich und wurden mindestens ein Mal umgepackt. Gemäss einer Stichproben-Untersuchung durch die Londoner Beratungsfirma IMS Consulting sind dabei auch beschädigte Blister- Verpackungen entdeckt worden sowie umbenannte Tabletten oder Packungsschachteln, aus denen Pillen entfernt worden waren. Der Schaden durch den Parallelhandel ist sowohl für die forschenden Pharmazeutischen Unternehmen als auch für die betroffenen Volkwirtschaften gross. Betroffen sind mittel- und vor allem langfristig auch die Forschung und Entwicklung der pharmazeutischen Industrie.

Es ist wenig realistisch, von Schweizer Pharmafirmen die Produktion zu Schweizer Löhnen und Schweizer Kosten zu erwarten, wenn man gleichzeitig bei Arzneimitteln von Parallelimporten aus Ländern wie Polen oder Griechenland profitieren will, welche kein Interesse an der Medikamenten-Forschung haben und die Preise mit staatlichen Massnahmen künstlich tief halten. Das Unterlaufen des Patentschutzes hätte ohne jeden Zweifel Auswirkungen auf den Forschungs- und Werkplatz Schweiz, wo alleine die drei grossen forschenden Pharmafirmen mehr als drei Milliarden Franken pro Jahr in die Forschung und Entwicklung investieren. Geht es der Pharmaindustrie schlechter, so hat dies direkte Folgen für die Schweizer Binnenwirtschaft, denn die Investitions- und Forschungstätigkeit der exportorientierten Pharmaindustrie hat eine wichtige Multiplikatorwirkung etwa auf Zulieferbetriebe, das Gewerbe oder die Bauwirtschaft.

Weiter zum Bericht des Bundesrates

London School of Economics

Pharmaceutical parallel trade in Europe: stakeholder and competition effects
Panos Kanavos and Joan Costa-Font, 2005, London

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