Viele schwere, oft tödlich verlaufende Krankheiten wie Aids, Alzheimer, Krebs und Hepatitis können nach wie vor nicht geheilt oder zum Teil nur unbefriedigend behandelt werden. Forscherinnen und Forscher an Hochschulen und in der Industrie suchen darum nach neuen, besseren Therapien und diagnostischen Methoden. Die Forschung mit und an Tieren spielt dabei eine bedeutende, aber häufig sehr emotional diskutierte Rolle.
Unsere Gesellschaft hat eine hohe Sensibilität im Umgang mit dem Tier entwickelt. Ausdruck findet dies in der Tierschutzgesetzgebung, welche dem Schutz und dem Wohlbefinden des Tieres dient und das Verhalten des Menschen gegenüber dem Tier regelt. Der Tierschutz in der Schweiz hat im internationalen Vergleich ein sehr hohes Niveau und ist geprägt vom Dialog aller Beteiligten. So haben sich beispielsweise Exponenten aus Tierschutz, Wissenschaft, Industrie, Behörden und Politik in der Stiftung «Forschung 3R» gefunden. Die Stiftung unterstützt Forschungsprojekte, die zum Ziel haben, Methoden zu entwickeln, welche Tierversuche ersetzen können (Replace), bzw. die Zahl der eingesetzten Versuchstiere verringern (Reduce) oder die Belastung der Versuchstiere vor, während und nach einem Versuch minimieren (Refine). Interpharma fördert die Stiftung «Forschung 3R» nunmehr seit über 20 Jahren. Weit über 100 «3-R-Forschungsprojekte» wurden in dieser Zeit mit rund 14 Millionen Franken unterstützt.
Trotz Einsatz modernster Technologien und der Anwendung alternativer Methoden können wir auf Tierversuche noch nicht vollständig verzichten; zu komplex ist das Zusammenspiel von Zellen, Geweben und Organen in einem Tier oder einem Menschen. Häufig sind Tierversuche gesetzlich vorgeschrieben, beispielsweise für die Zulassung von Medikamenten oder für die Sicherheitsprüfung von Stoffen. Forschung und Industrie sind aber nicht nur von Gesetzes wegen verpflichtet sondern aus eigenem Interesse bestrebt, Tierversuche auf das absolut unerlässliche Mass zu beschränken. Mit der Charta für den Tierschutz verpflichtet sich die forschende pharmazeutische Industrie in der Schweiz beim Einsatz von Tieren in der Forschung zur Anwendung höchster ethischer Standards. Die in der Charta festgeschriebenen Grundsätze haben weltweit Gültigkeit.
Nicht zuletzt hat die konsequente Umsetzung des «3-R-Konzepts» in der forschenden Pharmaindustrie im Verlauf der letzten 20 Jahre dazu beigetragen, die Gesamtzahl der in der Schweiz pro Jahr eingesetzten Versuchstiere - trotz massiv verstärkter Forschungstätigkeit - um rund zwei Drittel zu reduzieren.
Es fehlte in dieser Zeit nicht an politischen Initiativen, Tierversuche in der Schweiz ganz oder teilweise zu verbieten. Die Schweizer Stimmbevölkerung hat indes allen Begehren in dieser Richtung die Unterstützung versagt. Es hat sich jedesmal deutlich gezeigt, dass die Stimmbürger/-innen bereit sind im Interesse des medizinischen Fortschritts und zugunsten der Patientinnen und Patienten, den Schutzanspruch der Tiere einzuschränken und unter strengen Regelungen die Forschung an und mit Tieren zu gestatten. Ging es um die Forschung, haben sie strengen Kontrollen den Vorzug gegeben vor radikalen Verboten.